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Stringwalken

Stringwalken - Bogensportinfo
Antur Archery

Stringwalken ist eine Technik (Zieltechnik) die nur beim Blankbogenschießen angewendet wird und bei Wettbewerben auch nur in dieser Bogenklasse erlaubt ist.

Nach meiner Meinung ist es das genaueste Zielsystem ohne Visier und wie man es erlernt und anwendet, darauf möchte ich in diesem Beitrag eingehen. Ich werde hier ach nur den Klassischen Weg beschreiben, der mittels eines Blankbogen Tab funktioniert, ich kenne einige Schütz*innen die mit Schiesshandschuhen stringwalken und sehr genau damit treffen. Nur kann ich darüber nicht schreiben, da ich es noch nie versucht habe.

Beim Stringwalken zielt man über die Pfeilspitze und hält diese immer auf den Punkt, den man Treffen möchte.

Wichtig und das sollte man im Hinterkopf behalten, wie jedes System hat auch dieses ein Limit was die damit schießbare Entfernung angeht, bei der man den zu treffenden Punkt direkt anvisieren und treffen kann. Dieses Limit nennt man Nullpunkt und beschreibt die Entfernung bei der man direkt, ohne an der Sehne eine Strecke abzunehmen in diese hineingreift und den Punkt trifft.  Wo genau dieser Punkt hängt vom jeweiligen Setup und der Disziplin, die man schießen möchte, ab. Wenn man zum Beispiel Blankbogen in Scheibenbewerben Outdoor schießen möchte, dann sollte man den Nullpunkt so anlegen das der bei der maximal zu schießenden Distanz liegt, in diesem Falle wären das 50m. Warum ist leicht erklärt, bei allen Entfernungen über diesem Nullpunkt müsste man über das Gold anhalten und das kostet Genauigkeit. Die Mitte der Scheibe ist immer gut farblich abgegrenzt und damit leicht anzuvisieren, das ist in anderen Bereichen der Scheibe eben nicht gegeben und am schlimmsten ist es bei Scheiben, die für Feldbogenbewerbe verwendet werden, diese sind in der Regel in der Mitte weiß und der Rest ist schwarz hier einen Punkt außerhalb der Mitte anvisieren zu wollen ist gerade bei größeren Distanzen fast unmöglich. Das gilt auch für 3D Bewerbe, in den meisten Fällen ist das Kill auf Tierattrappen gut zu erkennen ist und wenn nicht kann man sich die vitale Zone an der Anatomie von Lebewesen herleiten, auch hier empfiehlt es sich das ich bei dem für das bevorzugte Regelwerk den Nullpunkt zumindest auf die weitest zu schießende Entfernung auslegt. Kurz gesagt „Immer lieber eine Strecke auf der Sehne abnehmen, als darüber halten müssen“.

Ich möchte auch darauf hinweisen, dass es auch eine Limitierung in die andere Richtung geben kann. Auf sehr kurzen Entfernungen kann es mit herkömmlichen Pfeilauflagen dazu kommen, dass man trotz dem man immer eine noch weiter Strecke auf der Sehne abnimmt der Pfeil nicht mehr den Punk trifft den man anvisiert und zu hoch im Ziel oder darüber landet. Hier spielt uns die Machart der meisten Pfleilauflagen und die Physik einen Streich. Meistens verwendet man Magnetische Pfeilauflagen mit einem Drahtfinger der seitlich ausweicht, und genau daran liegt es dann auch das es auch hier ein Limit gibt. Je weiter unterhalb man in die Sehne greift um so mehr drückt es den Pfeil in die Pfeilauflage und in der Vertikalen weicht der Finger dann eben nicht aus und es kommt durch die Flexibilität des Pfeils und des Fingerdrahtes zu einer Federwirkung, die den Pfeil wieder in die Höhe schleuder. Hier Hilft es dann nur mehr das Maximum des Möglich auf der Sehne nach unten zu Wandern und den Rest mit tieferAnhalten zu lösen.  Eine andere Lösung für dieses Problem wären Dropdown Pfeilauflagen wie das Zniperrest oder von Gabriel Bogensport, ich würde diese aber nur sehr erfahrenen Schützen empfehlen da sie ziemlich tricky zum Einstellen sind. Dieser Effekt tritt aber meist erst bei Entfernungen weit unter 10m auf und damit kann man auf einer Distanz von 5m ruhig zusätzlich zur Maximal möglichen Abnahme etwas tiefer halten. Dias Kill oder Gold ist auf diese Distanz auf jeden Fall gut sichtbar und die zusätzliche Korrektur in diesem Bereich eher gering und sollte keine Probleme darstellen.

Ich werde mich für die Erklärungen immer auf das Spigarelli Tab BB+ beziehen. Dieser Tab hat eine Metalplatte mit Skalierung und Strichen in zwei längen unterteilt. Die langen Striche wertet man als Ganze Nähte die Kurzen als halbe. Nähte deshalb, weil man sich bei einem klassischen Blankbogen Tab an den der vertikalen Naht am Tab orientiert und die Stiche für die jeweilige Entfernung abzählt.

Noch eines vorweg, ich gehe hier von einem auf den Jeweiligen Schützen abgestimmten Blankbogen aus, die Erklärungen wie man so einen Bogen einstellt findet ihr im Netz und als Link unter dem Beitrag Blankbogen womit beginne ich auf der Bogen Sport Österreich Seite.

Zum Erlernen des Stringwalkens und zum Ausschießen der Distanzen empfehle ich das Aufsuchen eines FITA Scheibenplatzes.  Dort hat man vorgegebene Distanzen und damit eine Fehlerquelle weniger, nämlich das eigene Schätzvermögen w. Wenn eine Pfeilgruppe dort zu hoch oder zu nieder steckt dann weiß man sofort ob man mehr oder weniger abnehmen muss. Auch die Höhe des Goldes ist immer Gleich und damit braucht man auch hier nichtzusätzlich korrigieren.

Die Grundlegende Technik des Stringwalkens funktioniert wie folgt.

Wir legen unseren Tab an der Unterkante der Pfeilnocke an, zählen mit dem Daumen die für die anstehende Entfernung Teilstriche (Nähte) ab, üben einen leichten Druck auf die Sehne mit dem Daumen aus damit wir nicht verrutschen und fahren mit dem Tab so weit nach unten das Oberkannte Tab und Daumennagel auf einer Höhe sind. Nun gehen wir mit der Sehne auf eine leichte Vorspannung (auch wiederum, um ein Verrutschen des Tabs zu verhindern), nehmen unseren Daumen von der Sehne und heben den Bogen in die Schuss Position, gehen in den Anker, achten auf unsere Schulterspannung, zielen über die Pfeilspitze in die Mitte des Golds und lösen.

Ausschießen der Distanzen

Wir fangen mit der geringsten Distanz an, das werden im Regelfall 10 m sein und schießen eine Passe von 6 Pfeilen, damit wir ausreichend Pfeile einer Gruppe beieinander haben um Rückschlüsse daraus ziehen zu könne. Es wird immer ein oder Zwei Pfeile geben, die aufgrund von Lösefehlern merklich Außerhalb der restlichen Gruppe stecken, diese sind meist auf Lösefehler zurückzuführen und die passieren den besten Schützen. Die Passe von 6 Pfeilen gewährleistet auch dass wir beim Ausschießen der Distanzen oder dem Training nicht zu schnell ermüden und sich dadurch Fehler einschleichen.

Bei erwachsenen Schütz*innen kann man davon ausgehen das man auf diese Entfernung auf jeden Fall zu Hoch sein wird, also würde ich einmal so 5 Ganze (lange) Teilstriche am Tab abnehmen und über die Pfeilspitze in die Mitte des Goldes Zielen.  Gehen wir davon aus das die Pfeile immer noch zu hoch auf der Scheibe landen werden, damit wissen wir, wir müssen noch mehr Teilstriche an der Sehne abnehmen, um im Gold zu landen. Ich würde hier Anfängern empfehlen immer einen Ganzen Teilstrich mehr abzunehmen eine Passe zu schießen, Pfeile ziehen zu gehen und den Vorgang so lange zu wiederholen bis sie in der Mitte der Scheibe Gruppieren, sollte sich das mit ganzen Nähten nicht ausgehen und wir mit sagen wir mit 10 Nähten zu hoch und mit 11 zu Tief landen dann nehmen wir 10,5 Nähte ( also 10 Lange und einen kurzen Teilstrich) und schießen noch eine Passe, in  98% der Fälle wird das auch ausreichend genau sein und wir damit im Gold stecken. Wenn wir nun auf dieser Distanz unsere Strecke, die wir auf der Sehne wandern müssen, eruiert haben schießen wir noch 2 Passen zur Kontrolle und widmen uns, wenn alles passt der nächsten Distanz.

Die Nächste Distanz wird meistens 15m betragen

Nun gehen wir wie folgt vor. Wir nehmen an der Sehne exakt dieselbe Naht Anzahl wie für 10m ab und schießen eine Passe, dass die Pfeile zu tief stecken werden, ist uns dabei klar und je nach dem wie viel zu tief wir unter dem Gold stecken arbeiten wir uns in halben oder ganzen Nähten in die entgegengesetzte Richtung bis unsere Pfeile wieder im Gold landen.  Hatten wir auf 10m Hausnummer 11 Nähte und landen damit nun 20 cm zu Tief dann nehmen wir eine halbe Naht weniger ab also 10,5 und schießen eine Passe von 6 Pfeilen, sind wir im Gold wieder die 2 Passen zur Kontrolle und wenn alles passt, gehen wir auf die 20m Distanz. Wenn nicht müssen wir noch eine Halbe Naht abnehmen und Vorgang wiederholen

Diesen Prozess wiederholen wir, bis wir entweder die maximale Entfernung, die wir schießen wollen, oder wir den Nullpunkt unseres Bogens erreicht haben.

Wenn der Nullpunkt deutlich unter der gewünschten Distanz liegt, muss man sich ohnehin mit dem Setup beschäftigen denn wie gesagt man kann zwar auch auf größeren Entfernungen mit darüber halten behelfen, aber das ist ungleich schwieriger und ungenauer als darunter halten bei kurzen Distanzen. Hier würde ich, wenn es körperlich möglich ist das Zuggewicht erhöhen oder alternativ schnellere Wurfarme nehmen. Meistens ist die Variante mit dem höherem Zuggewicht die kostengünstigere. Schnellere Wurfarme bei selben Zuggewicht gibt es zwar aber die Preise dafür sind meist ab 500€ aufwärts, weil sie im High End Bereich angesiedelt sind.  Eine solche Anschaffung auch nur lohnt, wenn man nicht mehr davon ausgehen kann das sich das Persönliche Zuggewicht noch wesentlich verändert.

Nach dem wir uns jetzt ja alle Distanzen am FITA Platz erarbeitet haben geht e ans Trainieren.

Das kann man dann wie Folgt gestalten.

Pro Distanz würde ich 4 Passen schießen und dann zur nächsten wechseln. Macht auch hier kurze pausen zwischen den Passen und leine längere beim Wechsel auf die nächste. Trainiert auch wenn der FITA Platz langweilig erscheint, doch öfter auf einem solchen.  Neben dem Einprägen der Distanzen kann man an keinem anderen Ort so gut Haltung und Schuss Ablauf trainieren wie hier. Beides ist gleich wichtig für eine hohe Treffer Genauigkeit wie das Ausschießen der Distanzen.

Stringwalken im Feld und 3D.

Hier brauchen wir gutes Gefühl für Entfernungen und wir müssen im Hinterkopf behalten das wir unsere Distanzen auf einer Ebenen Fläche erarbeitet haben. 20m Gerade auf dem FITA Platz und 20m im Gelände bergauf oder bergab sind ein Riesenunterschied, je nachdem wie steil es bergauf oder ab geht, kann der unterschied bis zu 1,5 Nähten mehr Abnahme auf der Sehne bedeuten. Hatten wir bei 20m also 9 Ganze Nähte können es jetzt bis zu 10,5 sein.  Hier hilft nur üben, üben und wieder üben, möglichst auf verschiedenen 3D und / oder Feldparcours.

Ich hoffe ich konnte das System des Stringwalkens ausreichend genau und verständlich erklären. Viel Spaß und alle ins Gold, LG Martin

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