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Englischer Langbogen

Englischer Langbogen - Bogensportinfo

Im Mittelalter wurden Langbogen zumeist aus Eibenholz hergestellt. Dazu wurden Stämme (seltener Äste) in Längsrichtung gespalten. Beim Abziehen der Außenseite (vom Schützen abgewandte Seite: „Rücken“) ist darauf zu achten, dass über die gesamte Bogenlänge derselbe Jahresring die Außenfläche bildet, da sonst der Bogen zwischen den Jahresringen zum Aufreißen tendiert. Anschließend wird die dem Schützen zugewandte und aus Kernholz bestehende „Bauchseite“ vorsichtig ausgedünnt („getillert“), bis sich eine gleichmäßige Biegung der Wurfarme ergibt.

Eibenrohlinge in Mitteleuropa stammten in erster Linie aus Süddeutschland und Norditalien. Wegen der großen Nachfrage wurde die Eibe rücksichtslos abgeholzt, so dass sie in der freien Natur in Europa relativ selten wurde. Heute steht sie unter Naturschutz und ist fast ausschließlich noch in Parks und auf Friedhöfen anzutreffen.

Es gibt Belege für extrem zugstarke Bogen, so zum Beispiel der Fund einer Kriegsspitze im hölzernen Dach eines Turms des Towers of London, dessen Eindringtiefe sich nur mit einem Bogen von mehr als 120 Englischen Pfund erklären lässt. Ein weiteres Indiz für Zuggewichte über 100 Pfund geben die Bogenfunde des 1545 gesunkenen Schiffswracks Mary Rose. Deformationen bei Skelettfunden englischer Langbogenschützen im Bereich der Schulterachse beweisen körperliche Verschleißerscheinungen aufgrund der hohen Zuggewichte, die im Schnitt um 80 Englische Pfund (entspricht etwa 36 kg) Zuggewicht gelegen haben. Versuche mit Nachbauten historischer Bogenfunde haben sogar noch höhere Werte ergeben. Die Zuggewichte lagen weit über denen der beim heutigen Schießen genutzten Blankbogen. Ziel war die möglichst hohe Durchschlagskraft schwerer Pfeile. Kettenrüstungen, Plattenrüstungen oder Eichenplatten von etwa 2,5 cm Dicke können Berichten zufolge von Langbogenpfeilen durchschlagen werden.

Langbogenschützen waren hoch spezialisierte Einheiten mit hohem Ausbildungsaufwand. Ausgebildete Langbogenschützen konnten bis zu zehn Pfeile pro Minute über Reichweiten von bis zu 200 m abschießen.

Dabei wurde vermutlich mehr Wert auf die Menge als auf die Genauigkeit gelegt, da in einer Schlacht wohl eher Gebiete beschossen wurden als Einzelziele. 1.000 Schützen konnten so in der Minute 500 kg Pfeile verschießen. Dieser immense Verbrauch hielt einen ganzen „Industriezweig“ am Leben, von dem viele Berufsstände existierten: nicht nur die Bogenbauer (bowyer) und Pfeilmacher (arrowsmith, fletcher), sondern auch Schmiede, Seilereien (stringer, stringfellow), Holzhändler, Fuhrbetriebe etc. Einige dieser Berufsbezeichnungen leben noch heute als englische Familiennamen weiter.

Lagerten im Jahre 1523 einem Bericht zufolge allein im Tower von London 11.000 Bogen, 6.000 Bogenstäbe, 384.000 Pfeile und 86.400 Bogensehnen, so waren bis 1982 nur noch eine Handvoll Bogen erhalten geblieben. Aus dem Wrack der 1545 gesunkenen und 1982 gehobenen Mary Rose, einem Kriegsschiff Henrys VIII., wurden schließlich mehr als 3500 konservierte mittelalterliche Pfeile (überwiegend aus Pappelholz) sowie 137 gänzlich erhaltene Langbogen geborgen. Die Bogen sind in hervorragendem Zustand, so dass sie die Hauptquelle zur Erforschung des Englischen Langbogens stellen. Ihre Länge bewegt sich zwischen 1,87 und 2,11 Metern.

Redakteur Bogensportinfo Anke Telle

Redakteur: Anke Telle

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